Über’s Fremdsein und Erfahrungen in der Fremde. Über die Liebe und Schicksal. Und warum Loslassen für alle ein Gewinn sein kann.

Ich war schon oft fremd. Die Einzige in einem armen Land mit einem riesigen Rucksack voller Dinge, die mir gehörten. Die Einzige mit blonden Haaren in einem südamerikanischen Andendorf. Die Einzige mit Schokolade mitten im bolivianischen Regenwald.

Ich habe Beides erlebt: offene, freundliche Menschen, die sich für mich interessierten. Menschen, die mir in schwierigen Situationen halfen, ohne mich vorher gekannt zu haben. Nächstenliebe. Freundschaften. Geschichten, die wir uns erzählten. Erlebnisse, die mir nach 20 Jahren immer noch präsent sind, als wären sie gestern gewesen.

Und ich traf auch voreingenommene, kritische, ängstliche Personen. Ich begegnete im Ausland Fremden, die mir wegen meiner Nationalität keine Früchte oder kein Wasser verkauften. Ich traf einen boshaften Grenzbeamten, mit dem ich dank meiner Sprachkenntnisse jedoch umgehen konnte. Und eines Tages wollten sie mich gar in den Knast bringen! Davon erzähle ich aber ein anderes Mal.

Ich weiss darum, wie man sich fühlt, wenn man ausgegrenzt oder ausgeschlossen wird.

Glücklicherweise kenne ich auch das tolle Gefühl, wenn man sich über solche Grenzen im Kopf hinweg setzt und mit Neugier, einem Lächeln oder einer anderen, liebevollen Geste eine Brücke baut.

Dankbarkeit
Ich bin dankbar, dass ich in der Schweiz leben darf. In einem sicheren Land. Mit so vielen Freiheiten. Unglaublichen Chancen. Mit einer atemberaubenden Natur. Der Demokratie. Ich bin froh, dass ich weder entführt noch bombardiert werde. Frau sein darf, ohne mich verstecken zu müssen. Und da gibt es noch Hunderte andere Dinge, die mir hier gefallen.

Ich fragte mich schon oft, warum ich dieses Privileg geniessen darf?

Besitz als eine Last?Ja!
Manchmal haben mir jedoch Menschen in den ärmsten Ländern der Welt gezeigt, dass es auch eine Last sein kann, so Vieles zu besitzen. Ich traf Südamerikaner, die mit ihrem wenigen Hab und Gut glücklicher als ich waren. Ich vergesse niemals die Frau, die unbedingt ihr letztes Stück Fleisch mit mir teilen wollte. Das Baby, das mehrmals am Tag in die furchtbar schmutzigen Hosen machte, weil die Eltern weder für Windeln noch andere Kleider Geld hatten.

Liebe: unerwartet anders
Und einmal verliebte ich mich über beide Ohren. Alles lief anders, als ich es je erlebte hatte. Ich lernte ihn an einem Weihnachtsfest in Argentinien kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb. Wir sprachen wenig, obwohl mein Spanisch gut ist. Morgens um 6 Uhr tanzte er Tango mitten auf der Strasse. Seine Lebendigkeit gefiel mir. Seine Offenheit. Und klar, er war ein hübscher Naturbursche.

Doch es sollte alles anders kommen. Ich musste weiter reisen, weil ich mich für einen Freiwilligeneinsatz mit Strassenkindern angemeldet hatte. Wir blieben per Skype in Kontakt. Später reiste der Chilene 3000 Kilometer zu Fuss, per Anhalter und per Bus, um mich wiederzusehen. Gibt es ein schöneres Kompliment und Geschenk? Wieder sahen wir uns nur für sehr kurze Zeit, unsere Pläne waren anders.

Genau an dem Tag, als ich mich entschied, die weite Reise zu ihm zu starten, bekam ich eine traurige Nachricht. Ich musste nach Hause, mein Vater war schwer krank. Ich flog sofort heim.

War das Schicksal? War es schon immer vorgesehen, dass mein Leben nicht, wie ich es mir gewünscht hatte, in Südamerika sein sollte?

Die Wochen, die daheim folgten, waren schwierig. Der Chilene und ich blieben weiterhin in Kontakt – Liebe auf Distanz empfand ich jedoch damals als grosse Herausforderung. Die Liebe endete, als wir uns beide neu verliebten. Er in eine Argentinierin, ich in einen Schweizer.

Wo das glückliche Ende ist, fragst Du Dich vielleicht… Ich bin heute Mama von zwei lebhaften, gesunden Kindern und Partnerin eines wunderbaren Mannes. Fernweh habe ich trotzdem. Tendenz steigend.
Der Chilene ist ebenfalls in einer Partnerschaft. Er wird bald zum zweiten Mal Vater, und ich freue mich von Herzen für ihn und seine Freundin. Loslassen ist der Schlüssel zu vielen neuen Toren. Das ist für mich Happy End. Das ist Freiheit. Glück. Und Leben.

Übrigens: im Moment begleite ich in meiner Praxis einige Menschen mit Liebeskummer. Auch hier kann Hypnose helfen, damit mehr und mehr wieder Freude und Energie im Fokus sein können.